Kulturentwicklungsplan Soziokultur Leipzig 2008 – 2013

Kultur für alle - Kultur von allen

Vorwort

Soziokultur braucht Unterstützung!
60 bis 80% ihres Etats erwirtschaften Soziokulturelle Zentren selber. Keine andere Kultursparte schafft mehr. Um das zu erreichen, brauchen wir eine stabile Grundfinanzierung.

Der nunmehr vor der Beschlussfassung stehende Kulturentwicklungsplan der Stadt Leipzig ist eingebettet in die strategische Kommunalpolitik und formuliert vier Grundziele:

  • Kulturelle Vielfalt: Vielfalt im kulturellen Angebot ist profilbildend für das urbane Leben in Leipzig.
  • Junge Stadt: Kunst und Kultur werden angesichts der demografischen Situation künftig verstärkt einen unverzichtbaren Beitrag für die Lebensqualität junger Menschen leisten.
  • Musik: Die Musik besitzt in der Leipziger Kultur  die stärkste Authentizität und das größte Entwicklungspotenzial.
  • Kultur und Wirtschaft: Der Kulturwirtschaft gebührt besondere Aufmerksamkeit im strategischen Zielfeld der Stadt.

Diese kulturpolitische Ausrichtung wirkt sich unmittelbar auf die langfristigen Zielstellungen der AG Soziokultur aus, da sie im Grundsatz die Kriterien soziokultureller Arbeit spiegelt.
Für die Kultursparte Soziokultur gilt wie für keine andere das Prinzip der Vielfalt, da sie tagtäglich in den unterschiedlichsten  Arbeitsfeldern wie Kunst/Kultur, Jugend/Bildung, Soziales/Gemeinwesenentwicklung und Umwelt tätig ist und ihre gesellschaftlich integrierende Funktion unter Einsatz der verschiedensten kulturellen Instrumente und Methoden wahrnimmt.
Mit ihren vielfältigen kulturellen Angeboten setzt  die Leipziger Soziokultur starke Akzente bei der Entwicklung einer jungen und lebendigen Kulturszene und macht die Stadt attraktiv, besonders für unter 30- Jährige und junge Familien, die das kulturelle Flair des urbanen Lebens schätzen.
Jugendkultur ist bekanntlich in weiten Teilen  Musikkultur. Sie schafft Raum für Experimente, Identitätsfindung und die Entwicklung kreativer Potentiale. Mit Kooperationsprojekten im Bereich Musik und Nachwuchsförderung trägt die AG Soziokultur dieser kulturpolitischen Akzentsetzung Rechnung.
Nicht zuletzt ist die Arbeit der Soziokulturellen Zentren und Projekte auch Wirtschaftstätigkeit, denn sie sichern in einem dynamischen Wirtschaftssektor die Beschäftigungsentwicklung, reichen unzählige Aufträge an lokale Unternehmen aus und generieren beachtliche Umsätze.
Für die Umsetzung der kulturpolitischen Grundziele Leipzigs und des damit eng verzahnten Kulturentwicklungsplanes Soziokultur, wie er im folgenden vorgestellt wird, kann die AG Soziokultur auf ein über Jahre gewachsenes, belastbares  Netzwerk zurückgreifen. Die soziokulturellen Leistungsträger der Stadt stehen in regelmäßigem konzeptionellen und fachpraktischen Austausch und haben das vorliegende Konzept gemeinsam erarbeitet, um damit ein Arbeitsmittel für die Weiterentwicklung der soziokulturellen Handlungsansätze auf hohem Niveau und eine Orientierung für langfristige Planungen im Kultursektor bereitzustellen.

Was ist Soziokultur

„Jegliche Kultur sollte Soziokultur sein“ (Hermann Glaser)

Mit dieser Aussage wird Kultur als etwas begriffen, das mit dem Alltag und dem Leben der Menschen direkt zu tun hat; also keineswegs nur als „rein geistige“ Sphäre, in der allein die Kunst als Kultur gilt. Der Grundgedanke der Soziokultur entstand aus der Kritik an einem  lebensfernen Kulturbegriff, der vorgibt, unveränderlich zu sein und die „einzig wahren“ Werte zu transportieren. Daraus folgend, kann Kulturpolitik nicht ausschließlich „Kunstpolitik“ sein, sondern muss Teil einer umfassenden Gesellschaftspolitik werden. SOZIOKULTUR ist keine Bewegung gegen die  Kunst, denn sie ist Teil eines umfassenden Kulturbegriffs. Indem sie kreative Potentiale freisetzt, ermöglicht sie vielen Menschen den ersten Zugang zu künstlerischen Formen und Gestaltungsweisen. SOZIOKULTUR bezieht alle Kunstformen ein. Sie ist Literatur, Bildende und Darstellende Kunst. Sie nutzt die neuen Medien. Sie ist Musik in jeder Spielart. Sie bezieht wissenschaftliche Arbeiten ein und arbeitet genreübergreifend. SOZIOKULTUR will gestalten, will lebendige Veränderung, will Kultur als einen Lebensort, der allen offen steht, durch jede/n zu begreifen und zu bereichern ist. SOZIOKULTUR ist eine aktive Kultur, die durch Beteiligung lebendig wird. Die von allen gestaltet werden kann – unabhängig vom Alter, unabhängig von sozialer oder geografischer Herkunft, von Religion oder Geschlecht. Umgesetzt von Einrichtungen, Vereinen und Initiativen „vor Ort“, im Stadtteil, in der Region. SOZIOKULTUR ist eine soziale Kultur. Sie integriert. Sie sensibilisiert und bildet. Sie basiert auf Kommunikation. Sie fördert das Miteinander und die Demokratiefähigkeit der Menschen.

Soziokultur in Leipzig

In Leipzig wird die soziokulturelle Arbeit im Wesentlichen von den neun Soziokulturellen Zentren der AG Soziokultur getragen. Sie bilden die strukturelle und inhaltliche Basis für ein Netzwerk, in das sich zahlreiche weitere Initiativen und Projekte einbringen.
Die Kontinuität und hohe Qualität ihrer Arbeit, die von Veranstaltungen, Kursen und Workshops über fachliche Kinder- und Jugendarbeit (nach § 11, SGB VIII), die Bereitstellung von Räumen für nachwachsende Initiativen und Interessen, die Einbindung in soziale Bewegungen bis hin zu gastronomischen Angeboten, zu Arbeits-, Praktikums- und Ausbildungsplätzen reicht, bildet eine wesentliche Grundlage für die hohe
Lebensqualität in der Kulturstadt Leipzig.
Die Standorte der Zentren sind historisch gewachsen, ihre Angebote ergänzen einander und sie sind in den 17 Jahren ihrer Entwicklung zu unverzichtbaren Säulen des kulturellen, sozialen und kommunikativen Gefüges in ihren Stadtteilen geworden. Es sind dies der ANKER (Möckern), die Begegnungsstätte Mühlstraße (Reudnitz/Thonberg), das Conne Island (Connewitz), die Frauenkultur (Connewitz), das GeyserHaus (Eutritzsch), das Haus Steinstraße (Südvorstadt), die naTo (Südvorstadt), die VILLA (Zentrum) und das WERK II (Connewitz).

Träger: Stadtteilzentrum Anker e.V.

Dem Stadtteilzentrum ANKER e.V. in Möckern gelingt es, mit einer interessanten Mischung aus Musikentertainment und Kinder- und Jugendarbeit ein breites Publikum anzusprechen. Im Saal des Hauses finden regelmäßig größere und kleinere Veranstaltungen statt, die vom deftigen Rockkonzert bis zur Lesung und Tanz- oder Theatergastspiel reichen, wobei sowohl lokale Sympathieträger als auch internationale Spitzenkünstler vor ihr Leipziger Publikum treten. Mit jährlich wiederkehrenden Events, wie zum Beispiel Jugend- und Nachwuchsfestivals verpflichtet sich die Einrichtung den verschiedenen Fangemeinden treu zu bleiben. So stellt sich der Anspruch, alle anderen Angebote des Hauses zusammen mit der Unterhaltungsbranche unter einen Hut zu bringen. Durch den 1999 errichteten und 2001 in Betrieb  genommenen Neubau konnte der Verein ein einladendes Kinder- und Jugendzentrum eröffnen. Spezielle Projekträume ermöglichen für alle jungen Besucher die Teilnahme an vielen verschiedenen Kursen und Kreativangeboten. Diese reichen vom Modellbau und der Gestaltung mit Ton, über Foto- & Tanzkurse, bis hin zu Theatergruppen und die Arbeit am Computer. Der Spielplatz im ANKER-Garten sowie das Streetballfeld und die Tischtennisplatte auf der Spielstraße tragen bedeutend zum attraktiven Umfeld bei. Weiterhin lockt der ANKER mit einem offenen Jugendtreff und einem Jugendclub, welche allen jungen und jugendlichen Besuchern Raum für Freizeit und Gemeinschaft bieten. Regelmäßig über das Jahr hinweg gibt es verschiedene Feste und Ferienveranstaltungen für die Kinder im Stadtteil. Angebote für Senioren sind ebenfalls ein wichtiger Bereich im Leistungsspektrum dieses Treffpunkts für Jung und Alt im Norden von Leipzig.

Träger: Begegnungsstätte Mühlstraße e.V.

Die Begegnungsstätte Mühlstraße hat ihren Standort im Leipziger Osten, an der Grenze zwischen den Stadtbezirken Ost und Südost. Dem Verein geht es darum, mit verschiedenen  künstlerischen Mitteln und Methoden mit den Menschen vor Ort an der Förderung und Verbesserung ihrer Kommunikation und Kreativität zu arbeiten, damit sie selbst Einfluss nehmen können auf die Veränderung und Verbesserung ihres gesellschaftlichen Umfeldes. Die Angebote folgen dem Prinzip der Vielfalt und integrieren verschiedene künstlerische Sparten, alle Generationen und gesellschaftlich relevante Themen. Kennzeichnend für den soziokulturellen Handlungsansatz ist der enge Zusammenhang zwischen Standort, Hauptnutzergruppen und inhaltlicher Schwerpunktsetzung. Sie ist Stätte der Amateur- und Laienkultur und ermöglicht mit niedrigschwelligen Angebotsstrukturen eine „Kultur für alle“. Die Begegnungsstätte Mühlstraße versteht  sich als ein Forum für Kommunikation und Erfahrungsaustausch, es ist Anlaufstelle, Kontakt- und Beratungsstelle, Serviceeinrichtung, Ideenfabrik und Kreativwerkstatt. Das Haus bietet so Raum für Experimente, Identitätsfindung und die Entwicklung kreativer Potentiale

Träger: Projekt Verein e.V.

Seit seiner Gründung 1991 sieht sich das Soziokulturelle Zentrum „Conne Island“ und sein Träger, der Projekt Verein e.V., als Schnittstelle von moderner Jugendkulturarbeit, sozialer und klassischer soziokultureller Arbeit. Insbesondere das Vermögen, sowohl  jugend- und popkulturelle wie jugendarbeiterische Elemente integrativ zu vereinen, macht die Vereinsarbeit in seiner Struktur einzigartig. Denn in der Entwicklung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu kritischen, verantwortungsvollen und selbständig denkenden und handelnden Persönlichkeiten liegt der Schwerpunkt/Wert des übergreifenden Angebots des Conne Islands. Das hohe Engagement seiner ehrenamtlichen Mitglieder – zurzeit 145 – hat daran den entscheidenden Anteil.

Die Schaffung von ideellen und strukturellen Rahmenbedingungen der kulturellen Artikulation verschiedener sozialer und szene-spezifischer Umfelder steht im Fokus der Vereinsarbeit. Kultur- und sozialpolitische, ebenso wie aktuelle, gesellschaftliche Themen betreffend, bietet der Verein zahlreiche Bildungsmöglichkeiten. Den satzungsgemäßen inhaltlichen Grundprämissen folgend, ist das Conne Island ebenso ein Ort für politische, kritische Meinungsbildung. Ziel ist die Herausbildung selbstreflexiver Persönlichkeiten durch die integrative Entwicklung der beziehungsweise des Einzelnen.

Träger: Frauenkultur e.V.

Die Frauenkultur Leipzig gibt es seit 1990 und sie hat sich in dieser Zeit zu einem weit über die regionalen Grenzen hinaus bekannten Ort für  weibliche Künste etabliert. Der Anspruch des Frauenkultur e.V. Leipzig ist es: Weiblicher Kunst und Kultur einen öffentlichen Raum zu geben. Über Kunst von Frauen auf gesellschaftliche Hintergründe zu reflektieren,  mit der Vision, offene kommunikative Prozesse und Diskurse zu initiieren. Den Dialog mit Themen unserer Zeit zwischen Frauen und Männern innerhalb der geschlechterdemokratischen Entwicklung zu forcieren und einen Ort sozial-integrativer Kommunikation anzubieten. Im Klartext heißt das: Hier sind Kunst und Kultur von Frauen genreübergreifend von den Bildenden und Darstellenden Künsten, Musik, Literatur, Film bis hin zu den neuen Medien - von professionellen und autodidaktischen Künstlerinnen bzw. von Nachwuchskünstlerinnen – hautnah erlebbar! Wer interessiert ist an wissenschaftlichen Vorträgen, Seminaren und Workshops zu frauenspezifischen, kulturpolitischen bzw. aktuellen gesellschaftsrelevanten Themen wird hier fündig!  Wenn nicht explizit ausgeschrieben, sind die Veranstaltungen offen für Männer und Frauen.  Only for women sind Kurse, Workshops, emanzipatorische Mädchenprojekte, Frauencafé und natürlich die Frauen-Diskotheken. Die Frauenkultur Leipzig ist Treffpunkt für die unterschiedlichsten Arbeitsgruppen, so u. a. AG Frauenprojekte Leipzig Stadt-Land, lesbenpolitische Gruppen, feministische Gruppen und Migrantinnen verschiedener Sprachräume.

Träger: Geyserhaus e.V.

Der GeyserHaus e.V. ist ein Soziokulturelles Zentrum im Norden Leipzigs, das alters-, genre- und themenübergreifende Ansätze verfolgt: Jugendarbeit, Sozial- und Kulturarbeit verorten sich hier im Gemeinwesen im Sinne der im Umfeld wohnenden Menschen. Der Ansatz, ethnischen, kulturellen und sozialen Minderheiten Integration und Akzeptanz in der Gesellschaft zu  verschaffen, zeigt sich unter anderem im international ausgerichteten Kulturprogramm und dem integrativen Ansatz in der Jugendarbeit. Hierbei steht das eigene kreative Arbeiten gleichrangig neben kulturellen Veranstaltungen, sozialem Lernen und individueller Entwicklung. Soziokulturelle Arbeit, die Aspekte freiwilliger, individueller Eigenbildung einerseits und Möglichkeiten aktiver Partizipation an gesellschaftlichen Gestaltungsprozessen andererseits anbietet, schließt damit zum aktiven Handeln anregende und rezeptive Formen kultureller Angebote ein. Die soziokulturelle Arbeit des GeyserHauses leistet vor diesem Hintergrund wesentliche Beiträge, nicht nur zur Entwicklung kultureller, sondern auch zur Entwicklung sozialer Kompetenzen unserer NutzerInnen. Unser Angebot ist daher immer eine Mischung aus Konsumieren können und aktiv Gestalten können.

Insbesondere die Parkbühne im Arthur-Bretschneider-Park zeigt nach der Sanierung eine überaus positive wirtschaftliche Entwicklung – Investitionen in Soziokultur lohnen sich. Darüber hinaus wurde sie immer mehr zum Ort intergenerationeller Begegnung, von Kunst und Kultur, Innovation und Jugendarbeit.

Träger: Haus Steinstraße e.V. - Verein für Kultur, Bildung und Kontakte

Der Name des Vereins umfasst den ganzheitlichen Anspruch seiner Arbeit. Das Haus ist ein vom Bundesministerium ausgesuchtes Mehrgenerationenhaus und arbeitet mit allen Generationen und in allen Kulturgenres kulturpädagogisch und gemeinwesenorientiert.Hauptzielgruppe sind Kinder und Jugendliche. Ihre Talente zu entdecken und zu fördern soll mit dem Ziel der Selbstverwirklichung unterstützt werden. Ein besonderes Augenmerk verdienen sozial oder gesundheitlich benachteiligte Kinder und Jugendliche. Aus diesem Grund hat der Verein durch den hauseigenen Bleilaus-Verlag eine zweite Druckwerkstatt in der Albert-Schweitzer-Schule eingerichtet. Im Projekt „Footpower“ lernen aggressive Kinder in einer Förderschule oder in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Selbstbeherrschung und Regeln, um in der Gesellschaft ihren Platz zu finden. Die Beratungsstelle für Migranten unterstützt die Integration ausländischere Mitbürger. Der Verein bietet kulturpädagogische Angebote in den Werkstätten Theater, Tanz, Musik, Malerei, Grafik, Buchdruck, Keramik, Neue Medien, Erfinden und Bauen. Im Bereich demokratische Bildung mischen sich Kinder und Jugendliche in politische, kulturelle und soziale Prozesse ein oder erfahren Gewalt- und Suchtprävention. Zum Haus gehört auch das jugendbetreute Café Yellow. Ganzjährige Kulturprojekte widmen sich einzelnen Themen, die durch Kurse, Projekte mit Schulen, Workshops, Veranstaltungen und Ferienangebote werkstattübergreifend für alle Generationen vielseitig erfahrbar gemacht werden. Projekte wie das „Podium der Jüngsten Autoren“ auf der Leipziger Buchmesse, die Organisation der jährlichen „Leipziger Kinder- und Jugendkunstausstellung“ oder die Organisationsleitung des Kinder-Ferien-Abenteuers „Stadt in der Stadt“ (in Zusammenarbeit mit neun weiteren Leipziger Vereinen) wirken stadtweit, überregional und international.

Träger: Kultur- und Kommunikationszentrum naTo e.V.

Die naTo in der Leipziger Südvorstadt ist bekannt als ein Forum für experimentellen Jazz, freies Theater, spannende Performances und neue Musik. Hier werden genreübergreifende Sessions und Performances initiiert. Die Macher verstehen sich als leidenschaftliche Anstifter von mutigen Experimentierern und hervorragenden Handwerkern – ob aus New York oder Nürnberg, London oder Leipzig, Moskau oder Malmö.  Andererseits ist die naTo ein Streiter für soziokulturelle Basisarbeit im Kiez – und darüber hinaus. Verschiedenste Workshops und Kurse für Nichtkünstler werden organisiert, es wird über die große und kleine Politik diskutiert, über Philosophie, über Bücher, Filme und Theaterstücke. Einmal jährlich finden die soziokulturellen Großveranstaltungen Badewannenrennen und Seifenkistenrennen statt, die Tausende in ihren Bann ziehen. Die naTo ist täglich geöffnet und ein fixer Anlaufpunkt für kulturell und politisch interessierte Menschen aus Leipzig und weit darüber hinaus,  unabhängig von Alter, sozialem, ethischem oder religiösem Background.

Träger: LeISA GmbH - gemeinnützige Gesellschaft für Jugend, Kultur und Soziales

Das Soziokulturelle Zentrum „Die VILLA“ bietet wöchentlich mehr als 100 verschiedene Angebote  und Projekte in den Bereichen offene Kinder- und  Jugendarbeit, Jugend-Medienarbeit und kulturelle Veranstaltungen. Darüber hinaus stellen Jugend-Freiwilligendienste und internationale Angebote weitere Arbeitsschwerpunkte dar. Als eine der ersten nach der Wende neu entstandenen Einrichtungen lebt  sie von Kooperation und Vernetzung: Mehr als 60 Vereine und Initiativen  nutzen die Möglichkeiten des Zentrums für Ihre Angebote. Ca. 80.000 Besucher werden im Jahr gezählt. Die VILLA war der erste anerkannte Träger der Jugendhilfe in Leipzig. Die LeISA GmbH ist der gemeinnützige Träger für moderne soziokulturelle Projekte im Zentrum Leipzigs. Sie wurde 2004 von den gemeinnützigen Leipziger Vereinen VILLA e.V., Medienwerkstatt Die Fabrik e.V. und Förderverein Kinder- & Jugend-Villa e.V. gegründet, um darin die Projekte und die Mitarbeiter der drei Vereine zusammen zu führen.

Träger: WERK II – Kulturfabrik e.V.

Der WERK II – Kulturfabrik Leipzig e.V. im Stadtteil Connewitz ist seit 1992 auf dem Gebiet der Soziokultur tätig. Durch das Veranstalten von vielfältigen Aktivitäten, von Beteiligungsaktionen bis in zur Vernetzung lokaler Akteure, versteht sich der WERK II e.V. als Koordinationspunkt für alle Generationen. Die Entwicklung von Individualität als auch die Herstellung sozialer Kontakte und Kommunikationsmöglichkeiten werden ermöglicht und befördert durch die Materialgebundenheit der Kursangebote.

Der programmatische Teil beinhaltet:

  • <font face="Tahoma, sans-serif"><font style="font-size: 10pt;" size="2">offene Werkstätten (Kurse, Projekte in der Grafikdruck-, Keramikwerkstatt und Glasbläserei) </font></font>
  • <font face="Tahoma, sans-serif"><font style="font-size: 10pt;" size="2">Veranstaltungen (Konzerte, Festivals, Messen, Theater, Lesungen in Halle A)</font></font>
  • <font face="Tahoma, sans-serif"><font style="font-size: 10pt;" size="2">Kurse (u.a. Trommelschule, Bewegungstraining, Computerkurse für Senioren)</font></font>
  • <font face="Tahoma, sans-serif"><font style="font-size: 10pt;" size="2">Projekte (u.a. Wasserhahn, B.A.C.H., KunsThaus, Leib und Seele, 2020, Stadtlyrik)</font></font>

In der Halle A als Veranstaltungskernstück wird das Profil des WERK II e.V. als Ort für Begegnungen mit allen Spielarten zeitgenössischer Musik deutlich. Die Bandbreite reicht von jugend- und subkulturellen Musikangeboten über szenegebundene Angebote bis hin zu Experimenten in Klang und Licht. Sowohl auf bestimmte Altersstrukturen ausgerichtete Programmsegmente als auch generationsübergreifende Angebote sind zu finden.

Auf dem Gelände des WERK II e.V. arbeiten zahlreiche weitere gemeinnützige Vereine, zu denen partnerschaftliche Beziehungen bestehen, unter anderem der Frauenkultur e.V., Halle 5 e.V., Gesellschaft für Völkerverständigung e.V.. Die Gebäude der ca. 7.000 qm großen Liegenschaft der Stadt Leipzig, die der WERK II e.V. verwaltet, bieten Arbeits- und Wirkungsräume für etwa 30 Mieter (Galerie, Architekten, Künstler, die ConnStanze etc.).

Problemaufriss

Die Soziokulturellen Zentren haben mit ihrer Arbeit in den zurückliegenden Jahren zunehmend Bedeutung für die Lebensqualität in Leipzig gewonnen. Darüber hinaus sind sie zu einer gewichtigen Größe bei der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt herangewachsen. So wurden im Jahr 2006 mit rund 1,475 Mio € Eigenmitteln rund 50 % des Gesamtetats der Zentren durch eigene wirtschaftliche Tätigkeit dargestellt. Das ist mehr als in jeder anderen Kultursparte.
In Leipzig ist mit der AG Soziokultur ein Netzwerk entstanden, das mit kontinuierlicher  Arbeit  und verlässlichen Strukturen eine Reihe von Projekten angeschoben hat, die für die Entwicklung der gesamten  Freien Szene und darüber hinaus von Bedeutung sind.
So ist beispielsweise „Creative Cities“ derzeit das vielleicht wichtigste Label, mit dem die Kommune die Image-Segmente Junge Stadt und Musikstadt unterstreicht und an einen dezidiert ökonomischen Rahmen anbindet. Dem historisch gewachsenen Leitmotiv der klassischen Musik-, Museums- und Kunstmetropole wird ein junges und frisches zur Seite gestellt: die Kreativwirtschaft. Sie ist Bindeglied zwischen mittelständischen Wirtschaftsunternehmen und einer vornehmlich freien und florierenden
Kulturszene.
Das Fundament eines solchen, durch weite Möglichkeiten und kreative Potentiale gekennzeichneten, Bereichs ist auch die Leipziger Soziokultur – sei sie institutionalisiert oder anders gerahmt. Ihre Vitalität, ihre persönlichen Visionen und letztlich die durch sie hart erkämpften Freiräume und Nischen
haben so etwas wie „Creative Cities“ erst möglich gemacht.

Jedoch existieren trotz vieler Erfolge und der insgesamt positiven Entwicklung in den letzten 17 Jahren auf eine Vielzahl der kulturellen,  politischen, bildungspolitischen und sozialen Herausforderungen in unserer Stadt zu wenige adäquate Antworten.

Aufgrund ihres spezifischen Arbeitsansatzes, ihrer Professionalität und ihres hohen Vernetzungsgrades können die Soziokulturellen Zentren in  besonderer Weise zur Lösung  grundlegender Probleme unserer globalisierten, interkulturellen, spannungsreichen Gesellschaft beitragen. Im Folgenden werden grundlegende Problemfelder und Entwicklungspotentiale in Leipzig aufgezeigt und aus dieser Bestandsaufnahme die inhaltlichen Schwerpunkte der soziokulturellen Arbeit für die nächsten 5 Jahre sowie die wichtigsten Aufgaben bei der Strukturentwicklung für den Bereich Soziokultur abgeleitet.

  • Die Dichte und Qualität der kulturellen Angebote ist in Leipzig sehr ungleich verteilt. Vor allem in Stadtteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf befinden sich deutlich weniger Kultureinrichtungen als beispielsweise in Mitte oder im Süden.
  • Die weitere Integration von Menschen mit ausländischer Herkunft ist und bleibt eine gesellschaftliche Herausforderung – auch in Leipzig. Es fehlt an wirklichen Begegnungsmöglichkeiten der Kulturen, die dem derzeitigen „Nebeneinanderherleben“ und einer deutlich zu beobachtenden Separierung entgegenwirken.
  • Im innersächsischen Bildungsvergleich belegt  Leipzig nur eine hintere Position. In Leipzig werden schlechtere Schulabschlüsse erreicht und der Notendurchschnitt liegt niedriger als zum Beispiel in Bautzen, Chemnitz, Dresden und Zwickau. Selbst Abschlüsse mit Hochschulreife an Gymnasien sind in Leipzig deutlich schwächer als in den anderen Städten. Die Stadt hat zwar überdurchschnittlich viele Förderschulen und zusätzliche pädagogische Fachkräfte, doch reichen diese Bemühungen allein nicht aus. Leipziger Schulen arbeiten wesentlich weniger mit inhaltlichen Kooperationspartnern und Wirtschaftsunternehmen zusammen als die Schulen in anderen Städten. Leipzig braucht ein breites Bündnis für Bildung, in dem Kommune, Bildungsträger, Freie Träger und Unternehmen sowie das Land Sachsen eng zusammenarbeiten. Die Zukunft der Stadt hängt stark vom Bildungsniveau seiner Bürger ab. Maßstab dieser Entwicklung sollten mindestens die Statistiken der anderen Städte Sachsens sein. 
  • Wie die  Studie „Musik(erziehung) und ihre  Wirkung“ von Hans Günter  Bastian zeigt, hat frühzeitige musische Bildung positive Auswirkungen auf die Schulbildung und die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern. Für viele dieser Angebote werden Beiträge erhoben, die sich nicht jede Familie leisten kann. Somit ist die Chancengleichheit nicht für alle Leipziger Kinder gewahrt.
  • Für SeniorInnen gibt es stadtweit zu wenig ansprechende Angebote. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels in unserer Gesellschaft verdient diese wachsende Altersgruppe zukünftig stärkere Beachtung.
  • Nicht erst der Bürgerentscheid hat gezeigt, dass  sich die LeipzigerInnen stärker als bisher für ihre Stadt engagieren und Verantwortung übernehmen wollen. Foren und Möglichkeiten zur praktischen Beteiligung im Stadtteil gibt es hingegen bisher kaum.
  • Die Stadt sieht die Kreativwirtschaft als wichtigen Wirtschaftsfaktor der Zukunft. Momentan gibt es in Leipzig außerhalb der Hochschulen jedoch zu wenige Freiräume mit dem notwendigen Knowhow, in denen entsprechende Geschäftsideen entstehen und sich entwickeln können.
  • Durch den jährlichen Förderzyklus sind Kultureinrichtungen in freier  Trägerschaft derzeit gezwungen, einen wesentlichen Anteil ihrer Kapazität für die Akquise kommunaler Zuschüsse einzusetzen. Dies reduziert die Effekte der begrenzten öffentlichen Fördermittel zusätzlich.

Ziele der inhaltlichen Arbeit

Alle LeipzigerInnen beteiligen sich in ihrem Lebensumfeld an kulturellen Angeboten.

Örtlich:

  • Entwicklung eines dezentralisierten, flächendeckenden Netzes an kulturellen Einrichtungen
  • Unterstützung entstehender Projekte und Einrichtungen
  • Erhöhung der Kapazitäten durch stärkere Auslastung bestehender Einrichtungen

Inhaltlich:

  • Ausbau zielgruppenspezifischer Angebote für derzeitige „Lücken“ (z.B. SeniorInnen)
  • Einrichtung niederschwelliger Angebote in allen künstlerischen Genres
  • Ausrichtung der Preisgestaltung an den finanziellen Möglichkeiten der BürgerInnen


Die Generationen begegnen sich und treten in Austausch – Menschen ausländischer Herkunft sind in gesellschaftliche Prozesse integriert.

  • Ausbau generationsübergreifender, schöpferischer Kulturangebote
  • Parallele Organisation von Angeboten für verschiedene Zielgruppen
  • Realisierung spezieller kultureller Angebote für und durch Menschen ausländischer Herkunft
  • Ausbau niederschwelliger Sprachtrainings
  • Schaffen von Möglichkeiten/Anlässen zur täglichen Begegnung (z.B. gesellige Angebote)


Die LeipzigerInnen engagieren sich für ihre Stadt und ihr Wohnumfeld.

  • Ausbau niederschwelliger Beteiligungs- und Gestaltungsmöglichkeiten für die Bürger
  • Vorhalten von Räumen zur Verwirklichung eigener Ideen
  • Die LeipzigerInnen nutzen ihr kreatives Potential.
  • Förderung künstlerischer und kreativer Betätigung für alle Altergruppen
  • Absicherung einer grundlegenden musischen Ausbildung für alle Kinder (siehe Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterModellprojekt in Anlage 3)
  • Entwicklung und Unterstützung von Projekt- und Geschäftsideen im Kreativsektor

Ziele der Strukturentwicklung

Stabilisierung der vorhandenen Standorte für soziokulturelle Arbeit in Leipzig

  • Abschluss von Leistungsverträgen mit den soziokulturellen Kultur- und Stadtteilzentren über mindestens 5 Jahre
  • Anhebung der städtischen Fördermittel für Strukturentwicklung und inhaltliche Arbeit der Soziokulturellen Zentren (Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterAnlage 1)
  • Auflegen eines Investitionsplanes Soziokultur zur Bereitstellung von investiven Mitteln für die nachhaltige Verbesserung des baulichen Zustandes und der technischen Ausstattung der Zentren (Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterAnlage 2); Sichern der Kofinanzierung aus Mitteln des Freistaates und des Bundes
  • Übernahme der langfristig erfolgreichen Soziokulturellen Zentren GeyserHaus und VILLA in die Institutionelle Förderung und Abschluss von Leistungsverträgen

 
Ausweitung der soziokulturellen Arbeit auf das gesamte Stadtgebiet

  • Ausbau von Partnerschaften der Mitglieder der AG Soziokultur mit Kulturinitiativen in allen Stadtteilen
  • Sozialer Brennpunkt Leipziger Osten: Entwicklung von effizienten Soziokulturellen Zentren aus vorhandenen Strukturen heraus, z.B. Rabet, Vereinshaus Leipziger Osten
  • Sozialer Brennpunkt Leipziger Westen: Entwicklung von effizienten Soziokulturellen Zentren aus vorhandenen Strukturen heraus, z.B. Initiative Gießerstraße, Victor Jara
  • Leipziger Zentrum: Unterstützung des Jüdischen Begegnungszentrums im Ariowitsch-Haus bei der Übernahme soziokultureller Funktionen im Stadtteil


Verwaltungsvereinfachung im Bereich der Fördermittelvergabe

  • Ermöglichung von kalenderjahrübergreifenden Projekten  durch flexible Zuwendungszeiträume
  • Vorhalten eines „Feuerwehrtopfes“ für die unterjährige Vergabe von Projektfördermitteln
  • Vereinheitlichung der formalen Regelungen  innerhalb verschiedener Förderrichtlinien der Stadt Leipzig sowie deren Angleichung an die Vorgaben der Steuergesetzgebung
  • Schaffung einer zentralen Abrechnungsstelle für alle kommunalen Fördertöpfe – beginnend bei Kultur- und das Jugendamt


Evaluierung der soziokulturellen Arbeit in Leipzig

  • Zyklische Evaluierung aller Leipziger Kultur- und Stadtteilzentren mit soziokulturellem Tätigkeitsprofil – unabhängig von deren aktuellen Trägerschaftsformen – im Fünfjahresrhythmus
  • Permanente Fortschreibung des Kulturentwicklungsplanes Soziokultur Leipzig

Fazit

Zentrales Anliegen der AG Soziokultur ist es, die Lebensqualität der Leipzigerinnen und Leipziger zu stabilisieren und weiter zu verbessern. Leipzig soll  sich zu einer Stadt entwickeln, die mit einer faszinierenden Kulturlandschaft und Kreativität für sich werben kann, in der Kinder und Jugendliche die bestmöglichen Ausgangsbedingungen haben, die Studierende aus ganz Deutschland als ihre neue Heimat entdecken, in der sich junge Familien und  ältere Menschen gleichermaßen wohlfühlen, die wirtschaftlich auf völlig neuen Gebieten wächst, in der mündige Bürgerinnen und Bürger mit Freude ihr Lebensumfeld mitgestalten, in der Toleranz und Weltoffenheit täglich gelebt werden.
Gerade Soziokultur kann durch ihren integrierenden und kommunikativen Arbeitsansatz, durch ihren umfassenden Kulturbegriff einen herausragenden Beitrag für die Entwicklung des besonderen Leipziger Lebensgefühls leisten. Alle strukturellen und inhaltlichen Zielsetzungen dieses Kulturentwicklungsplanes dienen diesem Leitbild.
Voraussetzung für den Erfolg aller diesbezüglichen Anstrengungen ist eine intensive Kooperation der soziokulturellen Initiativen mit den verschiedensten Ämtern, Gremien und Dezernaten der Stadt – von Kultur- bis Liegenschaftsamt, von Grünflächen-  bis Ordnungsamt, vom ASW bis zur Agentur für Bildung... Notwendig sind die strukturelle Unterstützung der freien Träger und der verlässliche, belastbare Wille aller Seiten, für ein gemeinsames Ziel partnerschaftlich zusammenzuarbeiten.
Die Umsetzung des Kulturentwicklungsplanes kann natürlich nur schrittweise erfolgen. Oberste Priorität hat die nachhaltige Festigung der inhaltlichen und strukturellen Substanz soziokultureller Arbeit in Leipzig. Die zentralen Aufgaben hierbei bestehen in  der Sicherung der inhaltlichen und personellen Handlungsfähigkeit der vorhandenen  Zentren durch deren bedarfsgerechte finanzielle Grundausstattung, in der Sicherung der Kontinuität des soziokulturellen Angebots durch den mehrjährigen Arbeitsauftrag in Form von Leistungsvereinbarungen mit den einzelnen Häusern und in der Erhaltung und schrittweisen Sanierung der baulichen Hülle und der technischen Ausstattung der Zentren.
Parallel zur Substanzerhaltung ist der Aufbau eines stadtweiten, dichten Netzes soziokultureller Zentren und Initiativen von großer Bedeutung.  Insbesondere die Ausweitung kontinuierlicher soziokultureller Angebote auf Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf sollte im Zentrum der Bemühungen stehen. Für diese Aufbauarbeit können und sollen die umfänglichen Erfahrungen der erfolgreichen Akteure in Form von Kooperationen bzw. Mentorenschaften genutzt werden.
Modellprojekte wie "Musik macht schlau" sind – über die unstrittigen positiven Effekten für deren Nutzer und Teilnehmer hinaus – von immenser  Bedeutung für die weitere Vernetzung der soziokulturellen Projektträger untereinander sowie mit Ämtern und öffentlichen Einrichtungen wie der Bürgerstiftung Leipzig und der Agentur für Bildung. Sie verdienen daher eine besondere Aufmerksamkeit und Förderung seitens der Stadt.
Für die Lösung der zahlreichen in diesem Kulturentwicklungsplan genannten Aufgaben ist eine weitere schrittweise Erhöhung der Fördermittel für Freie Kulturarbeit auf mittelfristig 5% vom Gesamtkulturetat der Stadt dringend erforderlich. Bei der Erarbeitung der Modellrechnung zur Mittelverwendung (Anlage 1) wurde großer Wert darauf gelegt, wesentliche positive Effekte für den Erhalt und die Steigerung der Vitalität der Leipziger Kulturlandschaft zu generieren.
Der wichtigste Impuls besteht darin, die Förderung freier Kulturprojekte als Garant für Innovation und Experimentierfreude überproportional zu stärken. Im Laufe der nächsten Jahre soll sich diese verfünffachen und damit ihr Anteil an der Gesamtförderung von derzeit 16% auf über 30% anwachsen.
Im Bereich Soziokultur werden die notwendigen institutionellen Strukturen gestärkt, indem sich deren Zuschüsse fast verdoppeln. Darüber hinaus wird mit dem Aufbau eines „Entwicklungsfonds Soziokultur“ die finanzielle Voraussetzung für die Erweiterung des soziokulturellen Netzes auf das gesamte Stadtgebiet und die weitere Professionalisierung der Arbeit aller Initiativen geschaffen.

Leipzig am 25. Februar 2008
AG Soziokultur Leipzig

Modellrechnung zur Entwicklung und Verwendung kommunaler Kulturfördermittel

Effekte

  1. Das Verhältnis zwischen Institutioneller und Projektförderung verlagert sich stark zugunsten der Projektförderung.
  2. Die Projektförderung steigt auf knapp das Fünffache.
  3. Die Institutionelle Förderung steigt auf reichlich das Doppelte.
  4. Die vorhandenen Soziokulturellen Zentren werden in ihrer Struktur gestärkt und stabilisiert.
  5. Die seit vielen Jahren erfolgreichen Soziokulturellen Zentren Villa und Geyserhaus werden in angemessener Form in die Institutionelle Förderung übernommen.
  6. Um die erforderlichen Strukturen in weiteren Stadtteilen zu schaffen steigt der Anteil der Soziokulturellen Zentren an der Institutionellen Förderung leicht an,
  7. Innerhalb des Budgets für Soziokulturelle Zentren entsteht ein Entwicklungspotential für neue Zentren mit Institutioneller Förderung in weiteren Stadtteilen.

Damit sind die drei wesentlichen Grundlagen für die nachhaltige Entwicklung einer innovativen sowie kulturell und sozial wirksamen, freien Kulturlandschaft gegeben.


Grundlagen für nachhaltige Entwicklung

  1. Die Projektförderung wird überproportional gestärkt.
  2. Die Institutionelle Förderung von Kulturinitiativen und -einrichtungen wird in stark gesteigertem Maße möglich.
  3. Mit dem Entwicklungsfonds Soziokultur wird die Voraussetzungen für die Weiterentwicklung soziokultureller Arbeit in freier Trägerschaft im gesamten Stadtgebiet, insbesondere für den Aufbau neuer Zentren in Stadtteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf geschaffen.

weitere Anlagen

In der pdf-Version die Sie Startet den Datei-Downloadhier herunterladen können, finden Sie als weitere Anlagen:

  • Modellprojekt "Musik macht schlau" zur erweiterten musischen Bildung der Leipziger Schulerinnen und Schüler
  • Ausführliche Vorstellung der Soziokulturellen Zentren auf der Basis eines Fragenkatalogs des Leipziger Kulturamtes aus dem Jahr 2007